Bürgermeisterkandidatinnen geben Antworten auf weitere Fragen

 

 

 

1. Gibt es kurzfristig die Möglichkeit, einen Versammlungsort für Gruppen ohne eigenes Vereinsheim zu schaffen?


Thomas Meyer: Es können unter den jeweiligen Voraussetzungen städtische Objekte wie das Vereinszentrum Westerenger, das Haus der Kulturen, der Mehrzweckraum im Gebäude am Lehmkuhlenweg, Schulaulen u.a. zur Verfügung gestellt werden. Daneben können in Absprache mit den jeweiligen Nutzern ggf. auch diesen zur Verfügung stehende Räume wie bspw. das „Neue Forum Enger“ im Kleinbahnhof oder Sportlerheime genutzt werden. Des Weiteren stehen im gewissen Umfang auch gastronomische Einrichtungen oder private Räume auf Anfrage bereit. Die Überlegung, im Zusammenhang mit der anstehenden Stadtentwicklung ein multifunktional nutzbares Gebäude zu konzipieren, sollte m.E. weiter verfolgt und hierbei aufgenommen werden.

 

Regina Schlüter-Ruff: In der Diskussion war ja schon angeregt worden, im neu gestalteten Vereinsheim Westerenger auch weiteren Gruppen einen Versammlungsort anzubieten. Meiner Ansicht nach gibt es diese Möglichkeit auch innerstädtisch im Haus der Kulturen. Evtl. können vielleicht auch die Räumlichkeiten der AWO in der Bahnhofstr. weiteren Gruppen zur Verfügung gestellt werden.

 

Philip Kleineberg: In dieser herausfordernden Zeit bedarf es auch besonderer Maßnahmen. Als Versammlungsorte können Dorfgemeinschaftshäuser oder auch öffentliche Gebäude dienen. Sicherlich lässt sich auch mit Vereinen, die über ein eigenes Vereinsheim verfügen, hier eine Regelung finden.

 

 

2. Wie soll ein Marketing finanziert werden? Wie sollen die erhöhten Stellen bezahlt werden? (verm. im Stadtmarketing)  

 

Regina Schlüter-Ruff: Diese Frage muss bei den kommenden Haushaltsberatungen besprochen werden. Wem Stadtmarketing wichtig ist – und dazu zähle ich mich – der/die muss auch die entsprechenden Gelder im städtischen Haushalt dafür bereitstellen.

 

Philip Kleineberg: Zunächst sollen keine zusätzlichen Stellen geschaffen werden. Zu den bereits vorhandenen Stellen möchte ich durch die Verschlankung und Digitalisierung in der Verwaltung Kapazitäten schaffen, um das Thema Stadtmarketing stärker in den Fokus zu nehmen.

 

Thomas Meyer: Ein Marketingkonzept und Marketingmaßnahmen im eigentlichen Sinn sind im Haushalt der Stadt derzeit nicht enthalten und müssten dort zukünftig verankert werden. Hinsichtlich der von mir in der Podiumsdiskussion erwähnten Personalstellen ist zu bemerken, dass es Stellenanteile sind, die bereits im Stellenplan enthalten und damit im Haushalt finanziert sind. Sie werden nicht über sächliche Stadtmarketingmittel finanziert, wenn eine solche „Befürchtung“ besteht.

 

 

3. Wie beurteilen die Kandidaten die nahezu rein kommerzielle Ausrichtung des Kirschblütenfests im Bereich der Bachstraße im Gegensatz zum Motto "von/mit/für Bürger", wenn dort das komplette Angebot von und für (!) einen einzigen gewerblichen Anbieter erfolgt? Zugegeben: hochprofessionell! Das ist zwar bequem, bedient aber nur die "Feierwütigen" - meines Erachtens eine Aufblähung aber keine Bereicherung des KBF.

 

Philip Kleineberg: Der KuV hat in den vergangenen Jahren eine sehr gute Arbeit geleistet, welche das Kirschblütenfest zu überregionaler Bekanntheit gebracht hat. Eine Änderung der Ausrichtung muss wohl überlegt sein. Das Kirschblütenfest soll ein Fest für alle Engeraner sein, also auch die „Feierwütigen“. Die Auswahl der Anbieter auf dem Kirschblütenfest liegt in der Verantwortung des KuV und wird in jedem Jahr sehr verantwortungsvoll und durchdacht getroffen.

 

Thomas Meyer: Die Konzeption und Ausrichtung des Kirschblütenfests obliegt bekanntlich in langer Tradition dem Kultur- und Verkehrsverein. Das Fest ist in den mittlerweile mehr als 40 Jahren seiner Geschichte fortlaufend einem Wandel unterlegen, was auch zwingend erforderlich ist, um in der jeweiligen Zeit Zuspruch zu finden und angenommen und akzeptiert zu werden. Dazu gehört auch, und nicht nur aus finanziellen / wirtschaftlichen Gründen, eine gewisse „Kommerzialisierung“, wie in der Vergangenheit auch. Sofern die Gesamtkonzeption und Grundausrichtung unter dem genannten Motto bestehen bleiben und neben Schaustellern eben auch Vereine, Schulen u.a. an dem Programm beteiligt werden und hier eine gesellschaftliche Grundverständigung gegeben ist, ist das nicht grundsätzlich zu kritisieren, sondern dient dem Fest und seiner Zukunftsfähigkeit. Zudem lässt es auch Raum für inhaltliche Ideen und Ressourcen, wenn gewerblich-organisatorische Aspekte teilweise professionell getragen werden.

 

Regina Schlüter-Ruff: Die Ansprüche an Angebot und Ausrichtung des KBF sind in den verschiedenen Altersgruppen naturgemäß durchaus unterschiedlich. Was als „Aufblähung“ und was als „Bereicherung“ betrachtet wird, liegt jeweils am eigenen Anspruch und ist somit eine subjektive Sichtweise. Ein Teil des Publikums goutiert das Angebot im Bereich der Bachstraße offensichtlich und nimmt es gern an. Daher – wenn der Ausrichter KuV es weiterhin im Programm hat, und niemand anderem den Platz vorenthält ist das so ok. Was mir aber fehlt, ist ein umfangreicheres unkommerzielles Angebot für Kinder.

 

 

4. Wie kann Kultur den Leerstand in der Innenstadt auffangen?

 

Regina Schlüter-Ruff: Leerstand auffangen kann Kultur sicher nicht. Aber sie kann dazu beitragen, zumindest zeitweise durch Nutzung von Schaufensterflächen oder Geschäften die Innenstadt zu beleben. Attraktive Gestaltung, die zum Bummeln einlädt wäre möglich, oder die Nutzung für kreative Projekte – sofern die Mietpreise entsprechend günstig wären. Die Eigentumsverhältnisse und Vorstellungen der Vermieter müssten entsprechend verhandelt werden.

 

Thomas Meyer: Auffangen kann die Kultur den Leerstand sicher nicht in Gänze. Es könnten kulturelle Angebote wie Ausstellungen oder Konzerte in Leerständen Platz finden, die diesen kurzfristig beleben und auf die zentrale Lage und damit verbundene „Chancen“ für Gewerbe und Einzelhandel aufmerksam machen.

 

Philip Kleineberg: Mit einem attraktiven Kulturangebot kann sowohl das Interesse der Engeraner als auch das Interesse von auswärtigen Besuchern an unserer Stadt gesteigert werden. Je mehr Besucher unsere Innenstadt aufsuchen desto attraktiver ist diese für Unternehmen und Gewerbetreibende. Hier ist das Zusammenspiel von Gewerbe, Verwaltung und Kulturschaffenden gefragt, um die Leerstände in der Innenstadt zu verringern.

 

 

5. Seit ca. 10 Jahren gibt es keine Übernachtungsmöglichkeiten (Hotel, Pension) mehr in Enger. Warum ist es nicht möglich, so etwas wieder in Enger zu schaffen? Dies wäre wichtig zur Förderung von Museen und Gastronomie und auch zur Imageverbesserung der Stadt.

 

Thomas Meyer: Ich behaupte nicht, dass das nicht möglich ist. Sofern eine ausreichende Nachfrage gegeben ist, wird es auch ein Angebot geben können. Vorhandene Ferienwohnungen decken bereits eine gewisse Nachfrage ab. Darüber hinaus stellt sich die Frage, welchen Bedarf man abdecken müsste / möchte, das einfache „Fremdenzimmer“ für Durchreisende oder Monteure o.ä. und / oder eher die „gehobene“ Übernachtung für den anspruchsvolleren (Tages-)Touristen. Es muss sich wirtschaftlich lohnen und es ist keine städtische Aufgabe der „Daseinsvorsorge“, die mit Steuermitteln „subventioniert“ werden kann. Hier können vorrangig Beratungs- und Vermittlungsdienstleistungen für mögliche Investoren erbracht werden.

 

Regina Schlüter-Ruff: Politik und Stadt kann zwar Rahmenbedingungen für Beherbergungsbetriebe vorgeben, aber nicht selbst als Investor auftreten. Selbstverständlich sehe ich es auch als Standortvorteil für Enger an, ein Hotel vor Ort anbieten zu können – es würde unser Image erheblich verbessern.

 

Philip Kleineberg: Die Eröffnung eines Hotels in Enger ist absolut wünschenswert. Auch hier gilt es die passenden Ideen und Konzepte zu entwickeln, um den Betrieb eines solchen Hotels auch wirtschaftlich darstellen zu können. 

 

 

6. Wie sollen konkret Räumlichkeiten für Veranstaltungen geschaffen werden?

 

Regina Schlüter-Ruff: Auf diese Frage kann ich nur antworten, wenn ich die Dimension und Ausrichtung der Veranstaltung kenne, an die hier gedacht ist. Personenzahl, Ende der Veranstaltung (nach 22.00 Uhr?) Anbindung an Cateringbetrieb, privat oder öffentlich sind Fragen, die sich mir stellen. Dann will ich mich gern detaillierter dazu äußern.

 

Thomas Meyer: Welche Veranstaltungen sind gemeint? Grundsätzlich gibt es Räumlichkeiten, nur nicht die passenden für jedes Format, wie z.B. Rock-/Pop-Konzerte als Indoor-Veranstaltung. Neben planungsrechtlichen Voraussetzungen, die man schaffen kann, sind bauordnungsrechtliche Vorschriften, Immissionsschutz, nachbarschaftliche Aspekte zu berücksichtigen. Meine berufliche Erfahrung zeigt mir, dass ein wirtschaftlicher Betrieb einer „Stadthalle“ kaum möglich ist, zumindest dann nicht, wenn man den Anspruch an gewisse Veranstaltungsformate hat und nicht häufig große private Gesellschaften zum Teil ohne örtlichen Bezug ansprechen will. Vielleicht sollte sich Enger auch auf kulturelle Formate konzentrieren, die „hier hinpassen“, dem bürgerschaftlichen Engagement entspringen und / oder z.B. über die Museen, den KuV, Enger impulsiv usw. abgewickelt werden können. Man muss nicht alles können, sondern das, was man kann, gut machen. Im Stadtentwicklungsprozess können solche Überlegungen dennoch ihren Platz finden (siehe auch Antwort zu 1.).

 

Philip Kleineberg:  Um Vereinen und Interessengemeinschaften auch langfristig eine Möglichkeit zu geben sich zu treffen, ist meiner Meinung nach ein Bürgerzentrum eine gute Möglichkeit. Dieses kann dann sowohl von Vereinen als auch für kulturelle Veranstaltungen in unserer Stadt genutzt werden.

 

 

7. Wie können die unterschiedlichen Kulturtreibenden, Künstler, Vereine und Gewerbetreibende zusammengebracht werden?

 

Thomas Meyer: Der Kultur- und Verkehrsverein sollte den Anspruch haben, diesen Personenkreis anzusprechen und deren Interessen zu bündeln und nach außen zu vertreten und zu kommunizieren. Die Stadtverwaltung steht als hauptamtlicher Ansprechpartner zur Verfügung und unterstützt den KuV in seinen Bestrebungen, seinem „Klientel“ ausreichend Raum und Platz und damit Wahrnehmung in der Gesellschaft und im öffentlichen kulturellen Leben zu verschaffen.

 

Regina Schlüter-Ruff: Ich will mich auf keinen Fall in die Angelegenheiten des KuV einmischen, aber es hätte durchaus Charme, wenn der KuV gemeinsam mit der Stadt vielleicht zweimal pro Jahr zu einem entsprechenden Forum einladen würde, um sich über gemeinsame Projekte, Probleme u.ä. auszutauschen.  Ein Gewinn dieser Kommunikation wäre auf jeden Fall, ein besseres gegenseitiges Verständnis aufzubauen.

 

Philip Kleineberg: Um alle Beteiligten, die meiner Meinung nach zur Förderung der kulturellen und touristischen Attraktivität erforderlich sind, zu vernetzen, möchte ich einen Runden Tisch ins Leben rufen. Dieses „Widukind-Komitee“ kann gemeinsame Ideen und Veranstaltungen entwickeln, um unserer Stadt und unserer Marke „Widukind“ zu größerer Bekanntheit zu verhelfen. Die Organisation und Initiative zu diesem Komitee soll von der Verwaltung ausgehen, dort ist auch die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen und Ideen zum Thema Stadtmarketing.